Eine kurze Vorstellung | Mein Zugang zur Soziologie

Dennis Krämer - Profil

Mein Zugang zur Sozio­lo­gie:

Hal­lo und will­kom­men!

Ich freue mich, dass Du mich besuchst. Als klei­ne Gegen­leis­tung möch­te ich mich kurz vor­stel­len und mei­nen Zugang zur Sozio­lo­gie beschrei­ben.

Ich bin Den­nis Krä­mer, seit 2019 Post­doc an der Uni­ver­si­tät Ham­burg und for­sche im inter­dis­zi­pli­nä­ren Kon­text zwi­schen Sozi­al- und Sexu­al­wis­sen­schaft zu den The­men Geschlecht, Digi­ta­li­sie­rung und Robo­tik.

Wäh­rend mei­nes fach­über­grei­fen­den Stu­di­ums u.a. in Müns­ter, Ham­burg und Augs­burg habe ich mei­ne Lei­den­schaft für die sozio­lo­gi­sche For­schung ent­deckt und bin ihr seit­dem treu geblie­ben, so dass ich nach dem Stu­di­um eine Dis­ser­ta­ti­on zum The­ma “Inter­se­xua­li­tät in Medi­en, Medi­zin und Sport” erar­bei­tet und mit die­ser die ers­te umfas­sen­de Arbeit zum The­ma vor­ge­legt habe.

Da ich davon aus­ge­he, dass nicht alle Besucher*innen mei­ner Web­site mit der wis­sen­schaft­li­chen Pra­xis und den Unter­su­chungs­ge­gen­stän­den der Sozio­lo­gie ver­traut sind, vor­weg ein paar grund­le­gen­de Wor­te zum Fach:

Wie bei ande­ren Wis­sen­schaf­ten so han­delt es sich auch bei der Sozio­lo­gie um eine aka­de­mi­sche Dis­zi­plin, die sich nur schwer mit weni­gen Wor­ten umrei­ßen lässt, da sie sowohl hin­sicht­lich ihrer The­men­be­zü­ge als auch metho­di­schen und theo­re­ti­schen Zugän­ge durch ein sich kon­ti­nu­ier­lich erwei­tern­des Wis­sen geprägt ist und somit durch Viel­falt gekenn­zeich­net ist. Ziel und Bezugs­punkt sozio­lo­gi­scher Ana­ly­sen stellt für gewöhn­lich der Anspruch dar, mit­tels ste­tig ange­pass­ter und nach­jus­tier­ter metho­di­scher und theo­re­ti­scher Zugriffs­wei­sen über adäqua­te Ansät­ze für die Unter­su­chung einer sich selbst kon­ti­nu­ier­lich wan­deln­den und aus­dif­fe­ren­zie­ren­den Gesell­schaft zu ver­fü­gen. In die­sem Sin­ne lässt sich der Ter­mi­nus “Sozio­lo­gie” bes­ten­falls als ein Dach­be­griff ver­ste­hen, unter den sich mit­un­ter ganz unter­schied­li­che For­schungs­kul­tu­ren und For­schungs­prak­ti­ken ver­sam­meln. Im Kern ver­eint die­se jedoch alle die Eigen­schaft, eine “Natur” des Men­schen und des zwi­schen­mensch­li­chen Zusam­men­le­bens als kei­ne Fra­ge der bio­lo­gi­schen Ver­fas­sung und kei­ner qua Geburt gege­be­nen con­di­tio huma­na zu begrei­fen — etwa einer Evo­lu­ti­ons­ge­schich­te, gene­ti­schen Aus­stat­tung oder patho­lo­gi­schen Kon­di­ti­on -, son­dern Sozia­li­tät selbst ins Zen­trum zu rücken und als jenen Ort zu begrei­fen, in denen sich Indi­vi­du­en im Aus­tausch mit­ein­an­der zu sozia­len Sub­jek­ten trans­for­mie­ren und damit eine grund­le­gen­de Ver­fasst­heit der Men­schen als Ergeb­nis von sich kon­ti­nu­ier­lich ver­än­dern­den sozia­len Codes, Arran­ge­ments, Kon­ven­tio­nen, Nor­men und Wer­ten zu ver­ste­hen.

Gleich­zei­tig zeich­net sich die Sozio­lo­gie seit ihrer offi­zi­el­len Grün­dung in der Mit­te des 19. Jahr­hun­derts durch die Beson­der­heit aus, die als “sozi­al” gekenn­zeich­ne­ten Gebil­de und die dar­in ent­ste­hen­den Regel­wer­ke und Umgangs­for­men nicht nur deskrip­tiv anzu­zei­gen oder bloß wie­der­zu­ge­ben, son­dern immer auch kri­tisch zu dis­ku­tie­ren und so auf gesell­schaft­li­che Miss­ver­hält­nis­se und Unge­rech­tig­kei­ten hin­zu­wei­sen. Vor die­sem Hin­ter­grund vari­ie­ren die Unter­su­chungs­me­tho­den als auch Theo­ri­en der Sozio­lo­gie und hän­gen stark von dem Erkennt­nis­in­ter­es­se der For­schen­den sowie ihren For­schungs­zie­len ab, so dass sich dem Kom­plex “Gesell­schaft” u.a. mit­tels quan­ti­ta­ti­ver, qua­li­ta­ti­ver, his­to­risch-ver­glei­chen­der sowie phi­lo­so­phisch-refle­xi­ver Ver­fah­ren und Über­le­gun­gen ange­nä­hert wird.

Mir per­sön­lich gefällt inner­halb der Sozio­lo­gie ins­be­son­de­re der Bereich Kul­tur­so­zio­lo­gie sowie Geschlech­ter­for­schung. Dies des­we­gen, da kul­tur­so­zio­lo­gi­sche For­schun­gen i.d.R. nicht — wie in ande­ren, ins­be­son­de­re natur­wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­pli­nen, ver­brei­tet — auf eine deskrip­ti­ve Ergeb­nispro­duk­ti­on, son­dern auf eine theo­rie­ge­lei­te­te Erkennt­nispro­duk­ti­on abzie­len. Somit zeich­net sich die­ser Zweig der Sozio­lo­gie durch einen wis­sen­schaft­li­chen Zugriff auf zwi­schen­mensch­lich kon­sti­tu­ier­te Ver­ge­mein­schaf­tungs­for­men aus, wel­cher von kei­nem onto­lo­gi­schen Zustand des Men­schen aus­geht und statt­des­sen ver­schie­de­ne empi­ri­sche Bezü­ge und Gegen­stän­de (u.a. Prak­ti­ken, Dis­kur­se, Din­ge, Räu­me) als jene Erfah­rungs­be­rei­che begreift, mit, durch und in denen sozia­le und damit immer auch indi­vi­du­el­le Wirk­lich­kei­ten ent­ste­hen, die­se also sozi­al kon­stru­iert wer­den.

Auch mei­ne eige­nen For­schun­gen bewe­gen sich im Kon­text einer sol­chen kon­struk­ti­vis­tisch aus­ge­rich­te­ten Sozio­lo­gie, die die “Wirk­lich­keit” (ins­be­son­de­re die Geschlech­ter­wirk­lich­keit, hier­zu in einem spä­te­ren Bei­trag mehr) der Men­schen als kei­ne natur­ge­ge­be­ne Erschei­nung, son­dern als von Men­schen kon­ti­nu­ier­lich prak­tisch ‘ver­wirk­lich­te’ und somit kul­tu­rell und his­to­risch grund­sätz­lich wand­lungs­fä­hi­ge Rea­li­tä­ten begreift. In mei­nen aktu­el­len Unter­su­chun­gen beschäf­ti­ge ich mich ins­be­son­de­re mit wis­sens­so­zio­lo­gi­schen Fra­gen und mit der Fra­ge, wie spe­zi­fi­sche Vor­stel­lun­gen von Geschlecht — etwa vom intersexuellen/intergeschlechtlichen Kör­per — durch spe­zi­fi­sche Prak­ti­ken der Wis­sens­pro­duk­ti­on ent­ste­hen. Wis­sens­so­zio­lo­gi­sche For­schun­gen zeich­nen sich somit dadurch aus, dass sie die Fra­ge nach der indi­vi­du­el­len und kol­lek­ti­ven Aus­ge­stal­tung sozia­ler Wirk­lich­keit als eine Fra­ge nach den Prak­ti­ken der Wis­sens­pro­duk­ti­on begrei­fen und so davon aus­ge­hen, dass die äuße­re Aus­ge­stal­tung als auch inne­re Wahr­neh­mung von ver­schie­de­nen Phä­no­me­nen kein kogni­ti­ver oder bio­lo­gisch-affek­ti­ver Vor­gang dar­stellt, son­dern Affek­ten, Kogni­tio­nen als auch sozia­len Regu­lie­rungs­for­men eine spe­zi­fi­sche Wis­sens­pro­duk­ti­on vor­an­geht, die ver­in­ner­licht, unbe­wusst abge­ru­fen, indi­vi­du­ell und insti­tu­tio­nell ein­ge­setzt und für gewöhn­lich von den Men­schen im All­tag nicht hin­ter­fragt, son­dern “ein­ge­setzt” und “gelebt” wird.

So habe ich in mei­ner Dis­ser­ta­ti­on zum Bei­spiel den gesell­schaft­li­chen Umgang mit inter­se­xu­el­len Men­schen in ver­schie­de­nen Gesell­schafts­si­tua­tio­nen (Natio­nal­so­zia­lis­mus, Kal­ter Krieg, Post­mo­der­ne) unter­sucht und die Regu­lie­rung, Nor­mie­rung und Pro­ble­ma­ti­sie­rung ihrer Geschlechts­kör­per  als kei­ne Fra­ge der medi­zi­ni­schen Kon­di­ti­on oder eines bio­lo­gi­schen Kör­pers reflek­tiert, son­dern als sozio­his­to­risch kon­tex­tua­li­sier­te Nor­mie­rungs­stra­te­gi­en, die an spe­zi­fi­sche Prak­ti­ken der Wis­sens­pro­duk­ti­on (z.B. der medi­zi­ni­schen Patho­lo­gi­sie­rung, juris­ti­schen Namens­än­de­rung und Geschlechts­an­pas­sung, media­len Tabui­sie­rung etc.) gekop­pelt sind. In die­sem Zuge zei­ge ich in mei­nen For­schun­gen, dass die Art und Wei­se, wie der inter­se­xu­el­le Kör­per medi­zi­nisch und medi­al als ein kran­ker, abnor­mer, auf­fäl­li­ger und zumeist als geschlecht­lich “ande­rer” Kör­per sicht­bar gemacht wird, kei­ne Fra­ge des Kör­pers an sich dar­stellt; son­dern bereits die Tat­sa­che, Fra­gen nach sei­ner bio­lo­gi­schen Zuge­hö­rig­keit als auch die Prak­ti­ken der Beant­wor­tung die­ser Fra­ge, aus einer bestimm­ten Gesell­schafts­si­tua­ti­on resul­tie­ren und somit cha­rak­te­ris­tisch sind für eine sozio­his­to­ri­sche Ver­fas­sung ins­ge­samt.

Ziel der Web­site ist es von Zeit zu Zeit klei­ne Exkur­se in die sozio­lo­gi­sche For­schung zu geben, Zusam­men­fas­sun­gen und Ein­schät­zun­gen zu ver­schie­de­nen theo­re­ti­schen Model­len und Metho­den zu for­mu­lie­ren und — am bes­ten im Aus­tausch mit ande­ren Inter­es­sier­ten — in die­sem Zuge zen­tra­le Begrif­fe und Kon­zep­te gemein­sam zu dis­ku­tie­ren. In die­sem Sin­ne wer­de ich in einer ers­ten Rei­he der auf der Web­site erschei­nen­den Bei­trä­ge eine Prä­zi­si­on der zen­tra­len Theo­rie­strän­ge der sozio­lo­gi­schen For­schung for­mu­lie­ren und inter­es­sier­ten Leser*innen dami­to Ein­bli­cke in ver­schie­de­nen Theo­rie­strän­ge geben, z.B. der Dis­kurs­theo­rie, Pra­xis­theo­rie oder Phä­no­me­no­lo­gie.

Es sind auf mei­ner Web­site alle Leser*innen und Inter­es­sier­te aus­drück­lich dazu ein­ge­la­den, sich mit Ihren eige­nen Über­le­gun­gen, Ein­schät­zun­gen und Schwer­punkt­set­zun­gen und krea­tiv-indi­vi­du­el­len Deu­tun­gen ein­zu­brin­gen und ihre Ide­en über die Kom­men­tar­funk­ti­on in den Bei­trä­gen mit­zu­tei­len.

Bis dahin.

Den­nis

P.S. unter fol­gen­dem Link fin­det sich eine chro­no­lo­gi­sche Über­sicht über zahl­rei­che Klassiker*innen der Sozio­lo­gie. Klick hier!

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Dennis Krämer

Dr. phil., forscht im interdisziplinären Kontext zwischen Sozial- und Sexualwissenschaft und ist aktuell an der Universität Hamburg, Fakultät für Psychologie & Bewegungswissenschaft am Arbeitsbereich "Kultur, Medien und Gesellschaft" beschäftigt. Seine Forschungschwerpunkte liegen im Bereich der Sexual- und Geschlechterforschung, Techniksoziologie und Soziorobotik. In seinen Forschungen kombiniert er theoretische und methodische Ansätze aus den Sozial- und Naturwissenschaften miteinander, um gesellschaftliche Entwicklungen kritisch zu reflektieren und weiterzudenken. Ein zentraler Bezugspunkt in seinen Forschungen stellt der gesellschaftliche Umgang mit Inter* und Trans* Personen dar, welche er hinsichtlich ihrer medizinischen, juristischen sowie auch medialen Behandlung kritisch hinterfragt und hierzu verschiedene theoretische Ansätze u.a. aus dem Spektrum der poststrukturalistischen und postkolonialen Theorie sowie der Körpersoziologie heranzieht.

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